
Kirche St. Joachim und St. Anna
Kostel sv. Jáchyma a sv. Anny · náměstí Republiky, 362 51 Jáchymov
Die Kirche St. Joachim und St. Anna erhebt sich über dem Platz der Republik in Jáchymov als steinerne Erinnerung an den Silberbergbau, der aus einer Bergsiedlung eine der bedeutendsten Städte Mitteleuropas der frühen Neuzeit machte. Sie wurde 1534-1540 erbaut, gilt als erste lutherische Kirche Böhmens und gehört zu den wichtigen Sakraldenkmälern der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.
Jáchymov, historisch St. Joachimsthal, wuchs nach reichen Silberfunden im frühen 16. Jahrhundert in außergewöhnlichem Tempo. In der örtlichen Münzstätte wurden Taler geprägt, deren Name später bis zum englischen Wort dollar weiterwanderte. Die Kirche ist direkt Teil dieser Geschichte: Eine selbstbewusste Bergstadt schuf sich ein Gotteshaus, das ihrem Reichtum und ihrem reformatorischen Geist entsprach.
Silber, Reformation und Renaissance-Steinmetzkunst
Den Bau unterstützten Graf Štěpán Šlik und führende Bürger der Stadt. An der Westfassade ist bis heute das berühmte Bergbauportal erhalten, ein Renaissance-Relief des Steinmetzen Jiří von Bamberg mit dem Bildnis Šliks. Es zählt zu den wertvollsten Renaissance-Bildhauerarbeiten des Erzgebirges.
Den ersten evangelischen Gottesdienst hielt hier am 25. November 1537 der Prediger Johannes Mathesius, der später zu den prägenden Reformatoren Jáchymovs wurde und mit Martin Luther korrespondierte. Nach der Schlacht am Weißen Berg endete die religiöse Freiheit: 1624 wurde die Kirche der protestantischen Gemeinde genommen und der katholischen Kirche zurückgegeben.
Brand und Erneuerung durch Josef Mocker
Am 31. März 1873 zerstörte ein großer Stadtbrand fast den gesamten Innenraum der Kirche. Zu den verlorenen Kunstwerken gehörte auch ein Altarbild von Lucas Cranach. Den Wiederaufbau leitete Josef Mocker, bekannt durch seine Arbeiten an Burg Karlštejn und am Prager Veitsdom.
Zwischen 1874 und 1876 verwandelte Mocker den ursprünglichen einschiffigen Renaissancebau in eine dreischiffige pseudogotische Basilika. Außen blieben die monumentalen Mauern, Strebepfeiler und Renaissanceportale prägend, während der Innenraum weitgehend den Charakter erhielt, den er heute besitzt. Der rund 56 Meter hohe Turm setzt bis heute den wichtigsten vertikalen Akzent im Stadtzentrum.
UNESCO-Bergbaukontext
Die Kirche gehört zum historischen Zentrum von Jáchymov, einem Bestandteil der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, die 2019 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde. Für Besucher verbindet sie mehrere Schichten der Stadtgeschichte: Silber, Taler, Reformation, spätere katholische Erneuerung und das lange Nachleben einer Bergstadt.
Besuch
Die Kirche ist während regelmäßiger Gottesdienste sowie bei gelegentlichen Konzerten und Kulturveranstaltungen zugänglich. Das Äußere kann man ganzjährig frei vom Platz der Republik betrachten. Bei Gottesdiensten ist der Eintritt frei.
- Gottesdienste: Mittwoch 16:00, Sonntag 10:00
- Konzerte und Veranstaltungen: nach dem Programm der Stadt
Anfahrt und Kontakt
- Adresse: náměstí Republiky, 362 51 Jáchymov
- GPS: 50.3726, 12.9128
- Website der Stadt: mestojachymov.cz
Die Kirche steht direkt am Platz der Republik im Zentrum von Jáchymov, weniger als 20 km von Karlsbad entfernt. Busse verbinden Jáchymov mit Karlovy Vary und Ostrov nad Ohří.
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